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Karriere-Blog

ZWISCHEN PSYCHOTHERAPIE, FORSCHUNG UND NEUROPSYCHOLOGIE: WIE VIELSEITIG DIE ARBEIT IM KRANKENHAUS MARA IST

Dr. rer. nat. Tobias Redecker, Leitung Psychologischer Dienst in der Universitätsklinik für Epileptologie am Krankenhaus Mara

Name:Dr. rer. nat. Tobias Redecker
 
Das mache ich im Krankenhaus Mara und EvKB:Ich leite den Psychologischen Dienst in der Universitätsklinik für Epileptologie am Krankenhaus Mara mit den Schwerpunkten Psychotherapie und Neuropsychologie.
 
Das habe ich gelernt:Ich habe Psychologie mit Fokus auf klinische Psychologie sowie Neurowissenschaften und Neuropsychologie studiert, anschließend die Weiterbildung zum psychologischen Psychotherapeuten absolviert und im Bereich der Neurowissenschaften promoviert.
 
Das Beste an meinem Job ist:Der Austausch mit so vielen unterschiedlichen Berufsgruppen und Kolleginnen und Kollegen.
 
Das Krankenhaus Mara als Arbeitgeber ist:Ein verlässlicher Arbeitgeber mit klaren Werten, einer guten Unternehmenskultur und vielen Möglichkeiten zur interdisziplinären Zusammenarbeit.
 
Ich mache den Unterschied, weil…: … ich dazu beitragen möchte, dass Menschen mit neurologischen oder psychischen Erkrankungen eine gute Versorgung und mehr Lebensqualität erfahren.
 
Das möchte ich meinen Kolleginnen und Kollegen gerne sagen:Bleibt weiterhin so gut im Austausch und in Kontakt miteinander!  Genau das macht gute Patientenversorgung aus.

 

Interview

Dr. Redecker, zu Beginn: Was umfasst Ihre Aufgaben im Krankenhaus Mara?

Ich leite den Psychologischen Dienst in der Universitätsklinik für Epileptologie am Krankenhaus Mara. Der Bereich teilt sich im Wesentlichen in zwei große Schwerpunkte: Psychotherapie und Neuropsychologie. Insgesamt arbeite ich mit einem Team von etwa 17 Kolleginnen und Kollegen zusammen. Neben meiner Leitungsfunktion habe ich aber auch selbst noch einen Versorgungsauftrag. Ich arbeite beispielsweise auf unserer Therapiestation EP3 mit Menschen, die sogenannte dissoziative Anfälle haben. Diese Anfälle sehen nach außen oft wie epileptische Anfälle aus, haben aber psychische Ursachen. Dafür haben wir hier eine spezialisierte Station, auf der psychotherapeutisch gearbeitet wird.
 

Was ist das Besondere an Ihrer Arbeit? 

Menschen mit Epilepsie begleiten, psychotherapeutisch arbeiten, neuropsychologische Diagnostik durchführen und gleichzeitig an Forschungsprojekten mitwirken: Genau diese Mischung macht meine Arbeit hier so besonders. Die Aufgaben sind unglaublich vielseitig und gleichzeitig hochspezialisiert.
 

Ihrer Arbeit geht oft auch eine sehr komplexe Diagnostik voraus…

Ja, absolut. Gerade im Bereich der Neuropsychologie arbeiten wir an sehr speziellen Fragestellungen. Ein wichtiger Teil ist beispielsweise die Sprachdiagnostik vor epilepsiechirurgischen Eingriffen. Wenn Patientinnen oder Patienten operiert werden sollen, möchten wir natürlich vorher wissen, ob bestimmte Sprachfunktionen durch den Eingriff beeinträchtigt werden könnten. Dafür gibt es verschiedene Verfahren. Besonders spannend ist für mich dabei die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Dann steht man gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus der Epileptologie, Neurochirurgie oder Neuroradiologie im Untersuchungsraum und simuliert im Grunde eine Operation, um herauszufinden, wie das Gehirn funktioniert. Das sind Situationen, die man in vielen anderen psychologischen Arbeitsfeldern so niemals erleben würde.
 

Das klingt nach einer unglaublich engen interdisziplinären Zusammenarbeit.

Ja, definitiv. Und das ist auch etwas ganz Besonderes hier im Krankenhaus Mara. Wir arbeiten hier in einem der größten Epilepsiezentren Deutschlands und haben extrem kurze Wege zwischen den verschiedenen Fachbereichen im EvKB, das ja auch zu Bethel gehört und mit dem wir im Verbund arbeiten. Wenn wir spezielle Untersuchungen durchführen, gehen wir im wahrsten Sinne des Wortes einmal über die Straße zur Neuroradiologie. Für die Patientinnen und Patienten ist das natürlich ein großer Vorteil. Sie müssen nicht in andere Städte verlegt werden, sondern viele hochspezialisierte Verfahren finden direkt hier vor Ort statt. Und für uns als Mitarbeitende bedeutet das eine unglaublich spannende Zusammenarbeit mit ganz unterschiedlichen Berufsgruppen.
 

Was macht die psychotherapeutische Arbeit mit Menschen mit Epilepsie für Sie besonders?

Wir wissen aus vielen Studien, dass Menschen mit Epilepsie ein erhöhtes Risiko haben, zusätzlich psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen zu entwickeln. Etwa ein Viertel der Patientinnen und Patienten ist davon betroffen.

Das Besondere ist aber, dass sich diese Ängste oft anders zeigen als in klassischen psychotherapeutischen Kontexten. Menschen mit Anfällen erleben Situationen, in denen plötzlich die Kontrolle über den eigenen Körper verloren gehen kann. Diese Erfahrung verändert natürlich etwas im Erleben und im Alltag.

Ich finde diese Schnittstelle zwischen neurologischen Erkrankungen und psychischer Gesundheit unglaublich spannend. Genau dort kann Psychotherapie einen wichtigen Beitrag leisten.
 

Welche Rolle spielen die Werte des Krankenhauses Mara und des EvKB für Sie persönlich?

Eine ziemlich große Rolle. Für mich war wichtig, in einem diakonisch geprägten Umfeld zu arbeiten. Hier steht der Mensch im Mittelpunkt und nicht wirtschaftlicher Gewinn. Natürlich muss ein Krankenhaus wirtschaftlich arbeiten, aber ich habe hier das Gefühl, dass es tatsächlich darum geht, Menschen gut zu begleiten und Versorgung wirklich am Patienten auszurichten. Das entspricht sehr meinem eigenen Verständnis von Arbeit in einem helfenden Beruf.
 

Und gleichzeitig arbeiten Sie an einer Stelle mit einer besonderen Geschichte.

Ja, definitiv. Bethel und somit auch das Krankenhaus Mara haben eine lange Tradition in der Behandlung von Menschen mit Epilepsie. Teil dieser Geschichte zu sein finde ich schon besonders. Wenn man sich anschaut, wie hier früher bereits rehabilitativ mit Menschen mit Epilepsie gearbeitet wurde und wie sich daraus moderne epileptologische Versorgung entwickelt hat, dann merkt man schon, dass man an einem sehr besonderen und geschichtsträchtigen Ort arbeitet.
 

Seit einigen Jahren gehört das Krankenhaus Mara außerdem zum Universitätsklinikum OWL der Universität Bielefeld. Welche Möglichkeiten ergeben sich daraus?

Das eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten in Forschung und Lehre. Wir arbeiten eng mit der Medizinischen Fakultät der Universität Bielefeld zusammen, aber auch mit anderen Fachrichtungen, zum Beispiel der Linguistik oder der Psychologie. Gerade Sprache und Kommunikation spielen bei uns eine große Rolle. Deshalb entstehen aktuell viele spannende Kooperationen mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen.
 

Forschung ist also auch ein Teil Ihrer Arbeit?

Ja, auf jeden Fall. Gerade laufen mehrere Projekte an, die wir gemeinsam mit verschiedenen Partnern umsetzen. Ein Forschungsprojekt entsteht aktuell in Kooperation mit der Gesellschaft für Epilepsieforschung. Dabei geht es um einen Fragebogen, der psychosoziale Belastungen von Menschen mit Epilepsie erfasst – also zum Beispiel Lebensqualität, Ängste oder das Erleben von Stigmatisierung. Diesen Fragebogen validieren wir aktuell auch für Menschen mit dissoziativen Anfällen.

Ein weiteres Projekt beschäftigt sich mit neuen Verfahren zur Sprachdiagnostik. Gemeinsam mit Prof. Dr. Philip Grewe von der Universität Bielefeld, meinem Kollegen aus dem Krankenhaus Mara Dr. Thomas Cloppenborg und dem Doktoranden Felix Gorny arbeiten wir an einer Methode, die Sprachfunktionen möglichst schonend und gleichzeitig zuverlässig erfassen soll. Das Projekt beschäftigt sich mit neuen Verfahren zur Sprachdiagnostik vor epilepsiechirurgischen Eingriffen. So wollen wir die funktionelle transkranielle Dopplersonographie im Krankenhaus Mara weiter etablieren. Das Verfahren misst über Ultraschallsonden an den Schläfen die Durchblutung bestimmter Hirngefäße, während Patientinnen und Patienten Sprachaufgaben lösen.

So soll untersucht werden, auf welcher Hirnhälfte Sprache verarbeitet wird – möglichst schonend und nicht-invasiv. Das kann besonders für Menschen hilfreich sein, für die andere Verfahren wie ein Sprach-fMRT oder der Wada-Test belastend oder schwer durchführbar sind, etwa Kinder oder Menschen mit kognitiven Einschränkungen.
 

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Wie schaffen Sie den Ausgleich zu einer so komplexen und intensiven Arbeit?

Zum Glück gelingt es mir inzwischen ziemlich gut, nach Feierabend auch wirklich abzuschalten. Natürlich beschäftigt einen manches noch, aber ich versuche bewusst, Zeit mit meiner Familie und den Menschen zu verbringen, die mir wichtig sind. Sport hilft mir ebenfalls sehr. Außerdem interessiere ich mich privat viel für Kultur, Architektur oder technische Themen. Das ist dann auch ein schöner Ausgleich zur Psychologie. Und ehrlich gesagt genieße ich inzwischen auch den Arbeitsweg. Ich fahre oft mit dem E-Bike zur Arbeit und freue mich morgens über die Strecke Richtung Bethel. Das ist schon ein ziemlich guter Start in den Tag.
 

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