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Karriere-Blog

„WO PHYSIK AUF MENSCHEN TRIFFT.“

Medizinphysikexperte im EvKB und Krankenhaus Mara Dr. Thilo Siewert.

Name:Dr. rer. nat. Thilo Siewert
 
Das mache ich im EvKB:Medizinphysikexperte im Institut für Medizinphysik.
 
Das habe ich gelernt:Ich bin Physiker und Rettungssanitäter.
 
Das Beste an meinem Job ist:Die Vielfältigkeit und die Einblicke in alle Klinikbereiche.
 
Das EvKB als Arbeitgeber ist:Ein Ort, an dem man sich frei entfalten und weiterbilden kann.
 
Das möchte ich meinen Kolleginnen und Kollegen gerne sagen:Wir stehen für gute Mit- und Zusammenarbeit. Das schätze ich sehr.
 

Interview

Herr Dr. Siewert, was genau ist überhaupt Medizinphysik?

Medizinphysik ist im Grunde der Bereich, der sich über alle bildgebenden und therapeutischen Verfahren erstreckt, bei denen grundlegende Physik eine Rolle spielt. Dazu gehören Verfahren mit ionisierender Strahlung wie Röntgendiagnostik, Strahlentherapie oder Nuklearmedizin, aber auch Ultraschall. Überall dort, wo Strahlung eingesetzt wird, braucht es Expertise, um sicherzustellen, dass sie korrekt angewendet wird. Ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit ist deshalb der Strahlenschutz – und zwar sowohl für die Patientinnen und Patienten als auch für die Mitarbeitenden. Wir sorgen dafür, dass die eingesetzte Strahlung die notwendige Wirkung entfaltet, gleichzeitig aber keine unnötige Belastung entsteht.
 

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Unser Alltag ist sehr vielfältig und lässt sich am EvKB in zwei große Bereiche aufteilen: Nuklearmedizin und Röntgendiagnostik. Je nachdem, in welchem Bereich wir gerade tätig sind, unterscheiden sich die Aufgaben. Ein wichtiges Feld ist die Dosisüberwachung – also die Frage, welche Strahlendosis Mitarbeitende oder Patientinnen und Patienten abbekommen. In der Nuklearmedizin geht es zudem stark um die Therapieplanung. Und über allem steht das Thema Strahlenschutz: Wie schützen wir Menschen, die mit ionisierender Strahlung arbeiten? Wie stellen wir sicher, dass alles im Rahmen bleibt?
 

Welche Voraussetzungen braucht man für diesen Beruf? 

Zunächst einmal ein solides physikalisches Verständnis – das ist grundlegend für den Bereich. Aber genauso wichtig ist das Interesse an medizinischen Fragestellungen, denn die Medizinphysik vereint beide Welten. Dabei ist ein Weg das Studium der Medizinphysik im Bachelor und Master, oder wie bei mir der Quereinstieg. Der Bereich ist auch offen für Personen aus den Bereichen Physik oder Biotechnologie mit der Voraussetzung einer beruflichen Weiterbildung im Bereich der Medizinphysik. Außerdem sollte man auch menschlich eine gewisse Offenheit mitbringen. Wir haben zwar im Vergleich zu anderen Berufsgruppen weniger direkten Kontakt zu Patientinnen und Patienten, aber er gehört dennoch zu unserem Alltag.
 

Was hat Ihre Begeisterung für Physik ursprünglich ausgelöst?

Eigentlich war das eher ein Zufall. Nach dem Abitur wusste ich nicht so recht, welchen Weg ich einschlagen sollte. Ein Freund von mir hat damals angefangen, Physik zu studieren, und ich dachte: „Warum nicht? Ich probiere das auch mal.“ Später kam dann das Interesse an der Medizin dazu. Während meiner Promotion habe ich zusätzlich die Ausbildung zum Rettungssanitäter gemacht. Das hat mir ermöglicht, Physik und Medizin miteinander zu verbinden. Diese Kombination hat mich letztlich in die Medizinphysik geführt.
 

Warum der Schritt zum Rettungssanitäter während einer Promotion? Das ist ja schon ein eher ungewöhnlicher Weg.

Die Faszination begann tatsächlich aus dem Ehrenamt heraus. Bei mir war es so, dass ich schon lange ehrenamtlich bei der DLRG aktiv war – unter anderem als Rettungsschwimmer. Dort gab es die Möglichkeit, auf dem Rettungswagen mitzufahren, zunächst nur als Praktikant. Diese Erfahrung hat mich so begeistert, dass ich die Ausbildung zum Rettungssanitäter gemacht habe. Während meiner Promotion habe ich dann zwei Jahre im Rettungsdienst gearbeitet. Das war eine unglaublich prägende Zeit, weil man im Rettungsdienst wirklich alles erlebt. Das hat mich sehr fasziniert.
 

Wie sind Sie schließlich ins EvKB gekommen?

Das war ein glücklicher Zufall. Ich habe mich initiativ beworben, und direkt am nächsten Tag wurde die Stelle offiziell ausgeschrieben. Es war also genau der richtige Moment. Viele Medizinphysikerinnen und -physiker arbeiten auch in der Praxis oder sind selbstständig. Für mich war aber klar, dass ich in den klinischen Bereich wollte. Um die Kombination aus Physik und Medizin musste ich auch zusätzlich ein berufsbegleitendes Fernstudium absolvieren. Das EvKB hat mir diese Weiterbildung ermöglicht – ich konnte hier anfangen und parallel mein Studium abschließen. Diese Unterstützung fand ich großartig, denn sie zeigt, dass das EvKB Wert auf persönliche Entwicklung legt und Weiterbildung aktiv fördert.
 

Sie engagieren sich weiterhin ehrenamtlich, richtig?

Ja, ich bin immer noch im Katastrophenschutz der DLRG aktiv. Sollte ich für einen Einsatz gebraucht werden, würde mich das EvKB dafür sogar freistellen – ähnlich wie man es bei der Feuerwehr kennt. Ein schönes Beispiel war eine Reise nach Griechenland: Dort hatten wir eine Anfrage von der Deutschen Schule in Athen, die ihre Lehrkräfte als Rettungsschwimmer ausbilden wollte. Gemeinsam mit unserem Vorsitzenden bin ich dorthin gereist und wir haben die Ausbildung durchgeführt. Das war zwar regulärer Urlaub für mich, aber das EvKB unterstützt dieses Engagement grundsätzlich. Ich finde, das ist nicht selbstverständlich.
 

Neben Ihrer klinischen Arbeit schulen Sie auch Mitarbeitende.

Schulungen sind ein großer Teil unserer Arbeit, weil jede Ärztin, jeder Arzt und alle Mitarbeitenden, die mit Röntgenstrahlung zusammenarbeiten, eine entsprechende Qualifikation im Strahlenschutz brauchen. Wir bieten deshalb regelmäßig Kurse für medizinisches Personal an. Außerdem unterrichten wir an der Schule für MTR, für Medizinische Technologinnen und Technologen für Radiologie. Dort übernehmen wir den Unterricht im Bereich Strahlenschutz und Strahlenphysik. Und ganz neu bin ich auch an der Universität Bielefeld tätig. Dort wurde gerade der Bachelorstudiengang „Medizinische Physik“ ins Leben gerufen, und ich habe einen Lehrauftrag im Modul Anatomie und Physiologie übernommen.
 

Wie fühlt es sich an, so kurz nach dem eigenen Studium, schon selbst zu lehren?

Es ist ein spannendes Gefühl, wieder an der Universität zu sein – diesmal aber auf der anderen Seite. Meine eigene Studienzeit liegt noch nicht allzu lange zurück, und ich habe erst vor Kurzem meine zweite Masterarbeit im Fernstudium abgegeben. Lehrtätigkeit kenne ich zwar schon aus meiner Promotionszeit, aber hier an der Universität Bielefeld mitzuwirken, wo gerade ein neuer Studiengang aufgebaut wird, ist etwas ganz Besonderes. Gerade die Zusammenarbeit zwischen dem EvKB und der Uni eröffnet viele neue Möglichkeiten, nicht nur für mich persönlich, sondern für die gesamte Entwicklung der Medizinphysik in Bielefeld. Denn da geht es nicht nur um das reine Arbeiten, sondern eben auch die Weiterentwicklung, die Lehre, die Forschung.
 

Mit dem universitären Hintergrund im EvKB wird die Forschung noch stärker in den Fokus rücken. Wie sehen Sie das?

Das ist für uns ein Riesenschritt. Wir merken schon jetzt, dass die Forschung spürbar stärker in unseren Alltag einfließt. Auch in anderen Fachbereichen wird Forschung immer mehr ein Thema. Für mich persönlich ist das sehr bereichernd. Der klinische Alltag ist spannend, aber die Möglichkeit, zusätzlich auch an Forschungsfragen zu arbeiten, macht den Beruf für mich noch spannender.
 

Was geben Sie Ihren Studierenden mit auf den Weg?

Mir ist wichtig zu betonen, wie vielfältig die Medizinphysik ist. In unseren drei großen Fachbereichen findet wirklich jede und jeder eine Nische, die spannend ist. Man kann sich frei entfalten und eigene Schwerpunkte setzen. Natürlich gibt es auch Herausforderungen – zum Beispiel die Mathematik im Studium. Viele unterschätzen, wie fordernd das ist. Aber gerade diese Auseinandersetzung mit schwierigen Inhalten, das Durchbeißen und das Aushalten von Frustration, schult enorm. Das zahlt sich später aus, weil man lernt, an komplexe Probleme ruhig und gelassen ranzugehen.
 

Das ‚Durchbeißen‘ findet sich bei Ihnen auch im sportlichen Bereich, oder?

Ja, das stimmt. Ich habe über das Schwimmen bei der DLRG den Weg in den Triathlon gefunden. In diesem Jahr habe ich bei unserem hauseigenen Triathlon das erste Mal alle drei Disziplinen selbst absolviert. Davor bin ich meist in Staffeln gestartet. Diese Erfahrung hat mich begeistert, weil sie nicht nur sportlich fordert, sondern auch verbindend wirkt. Beim Triathlon habe ich Kolleginnen und Kollegen kennengelernt, mit denen ich vorher noch gar nichts zu tun hatte. Später haben wir beruflich zusammengearbeitet – und da hat sich gezeigt, wie hilfreich es ist, sich auch persönlich schon einmal begegnet zu sein. Solche Erlebnisse sind großartige Teambuilding-Momente.
 

Es klingt so, als wären Sie sehr zufrieden in Ihrem beruflichen Alltag.

Ja, da kann man ein Ausrufezeichen dransetzen. Ich fühle mich hier wirklich wohl. Die Mischung aus Klinik, Lehre, Forschung und persönlicher Weiterentwicklung ist für mich ideal. Und ich schätze die Atmosphäre am EvKB sehr – wir arbeiten eng mit anderen Fachbereichen zusammen, unterstützen uns gegenseitig, und das macht viel aus.
 

Und wenn Sie einmal nicht im Beruf sind – was brauchen Sie, um abzuschalten?

Zum einen ist da natürlich der Sport, der für mich ein wichtiger Ausgleich ist. Zum anderen hat sich mein Leben privat sehr verändert, denn ich bin vor wenigen Monaten Vater geworden. Das ist ein ganz neuer Ruhepol in meinem Leben. Arbeit kann man da schnell vergessen – und man muss es auch. Es ist eine völlig neue Lebenssituation, die ich als sehr spannend und schön empfinde. Besonders schätze ich, dass das EvKB Elternzeit auch für Väter aktiv unterstützt. Ich werde nächstes Jahr sieben Monate in Elternzeit gehen und das war hier überhaupt kein Thema. Von Freunden und Bekannten kenne ich andere Geschichten, da wird das nicht immer so selbstverständlich akzeptiert.
 

Zum Schluss: Welchen Wunsch haben Sie für die Zukunft – für sich persönlich und für die Medizinphysik?

Mein Wunsch ist, dass wir die enge Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld weiter ausbauen – sowohl in der Forschung als auch in der Lehre. Die Medizinphysik ist ein kleiner Fachbereich, und deshalb ist der Austausch besonders wichtig. Ich hoffe, dass wir diese Kooperation langfristig festigen können. Und für den Klinikalltag wünsche ich mir, dass die gute Zusammenarbeit mit den anderen Fachbereichen genauso bestehen bleibt. Das ist nicht selbstverständlich, aber am EvKB haben wir dafür eine hervorragende Basis – das ist wirklich schön.

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