Karriere-Blog
„HOCHWERTIGE PATIENTENVERSORGUNG GELINGT NUR GEMEINSAM“ – Die interprofessionelle Ausbildung am EvKB und Krankenhaus Mara
| Name: | Maren Niemann |
| Das mache ich im EvKB: | Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Interprofessionelle Lehre |
| Das habe ich gelernt: | Ergotherapeutin / Master Gesundheit & Diversity in der Arbeit |
| Das Beste an meinem Job ist: | …dass ich mit vielen verschiedenen Berufsgruppen in der Lehre und Praxis zusammenarbeiten kann |
| Das Klinikum als Arbeitgeber ist: | …ein Arbeitgeber, der Veränderungen möglich macht, mich in meinen Ideen unterstützt und an meiner Weiterentwicklung interessiert ist |
| Ich mache den Unterschied, weil… | …ich dazu beitrage, dass Interprofessionalität in unserem Klinikum implementiert wird |
| Das möchte ich meinen Kolleginnen und Kollegen gerne sagen: | DANKE an meine engsten Kolleginnen und Kollegen, aber auch danke an alle, die an Be-IPSTA beteiligt sind. |
Interview
Frau Niemann, was genau ist Be-IPSTA?
BE-IPSTA ist eine interprofessionelle Ausbildungsstation. Be-IPSTA steht für „Bethel – Interprofessionelle Ausbildungsstation“. Das Konzept wurde 2017 aus Skandinavien nach Deutschland gebracht und gilt seitdem als wegweisend. Die Grundidee ist, dass Lernende verschiedener Berufsgruppen möglichst früh miteinander und voneinander lernen – nicht nur theoretisch, sondern ganz konkret im Stationsalltag.
Die Lernenden übernehmen gemeinsam Verantwortung für einen fest definierten Bereich auf der Station. Das heißt, sie betreuen eine feste Anzahl von Patientinnen und Patienten eigenständig. Natürlich stehen erfahrene Lernbegleitungen aus den jeweiligen Professionen unterstützend zur Seite. Aber im Mittelpunkt stehen bewusst die Lernenden selbst.
Unser Ziel ist es, Interprofessionalität von Anfang an als selbstverständlichen Bestandteil professionellen Handelns zu vermitteln und damit eine hochwertige, ganzheitliche Patientenversorgung zu fördern.
Wie kann man sich den Alltag im Be-IPSTA-Team vorstellen?
Ein typischer Tag startet gemeinsam. Die beteiligten Berufsgruppen auf Pflege, Medizin und Physiotherapie kommen zusammen und bereiten beispielsweise die interprofessionelle Visite vor. Anschließend führen die Lernenden diese eigenverantwortlich durch. Sie gehen gemeinsam ins Patientenzimmer, besprechen die Situation und stimmen weitere Schritte ab. Die Lernbegleitungen bleiben im Hintergrund und greifen nur ein, wenn es notwendig ist. Nach der Visite wird gemeinsam reflektiert. Was lief gut? Wo gab es Unsicherheiten? Dieses direkte Feedback stärkt die fachliche und persönliche Entwicklung enorm.
Können Sie ein Beispiel aus der Praxis schildern?
In der Unfallchirurgie betreuen wir zum Beispiel Patientinnen oder Patienten mit Frakturen, etwa einer Schenkelhalsfraktur. Während der Visite bringen alle Professionen ihre Perspektive ein. Die medizinischen Lernenden erläutern den Operationsverlauf, die Pflege berichtet über Medikation und Selbstständigkeit, die Physiotherapie beschreibt die nächsten Schritte der Mobilisation.
Alles wird gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten besprochen. Dadurch entsteht ein ganzheitlicher Blick auf die Situation. Jede Profession wird sichtbar und ihre Rolle klar erkennbar. Genau dieses gegenseitige Verständnis ist der Kern von Interprofessionalität.
Die Lernenden übernehmen dabei Verantwortung für sechs Patientinnen und Patienten. Das ist bewusst so gewählt, damit sie gefordert sind, aber nicht überfordert werden. Die Situation ist realitätsnah und gleichzeitig gut begleitet.
Seit wann und wo gibt es Be-IPSTA?
Gestartet sind wir im April 2024 in der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Orthopädie. Damit haben wir die erste interprofessionelle Ausbildungsstation in unserem Klinikum und sogar in der gesamten Region OWL etabliert. Seit September 2025 ist das Projekt auch in der Psychiatrie umgesetzt. Dort arbeiten neben Pflege und Medizin auch Ergotherapie, Psychologie und perspektivisch die Soziale Arbeit eng zusammen.
Gerade im psychiatrischen Bereich gibt es bundesweit nur wenige interprofessionelle Ausbildungsstationen. Insofern übernehmen wir hier in Bethel hier eine echte Vorreiterrolle.
Was macht Be-IPSTA für Lernende besonders wertvoll?
Viele berichten von einer intensiven persönlichen und fachlichen Entwicklung. In einer frühen Evaluation hat eine lernende Person ihre Zeit auf der Be-IPSTA als „Glücksmoment“ beschrieben. Dieses Feedback hat mich sehr berührt.
Ein wesentlicher Faktor ist die Selbstständigkeit. Die Lernenden dürfen früh Verantwortung übernehmen und erleben, dass ihnen Vertrauen entgegengebracht wird. Gleichzeitig entwickeln sie ein klares Rollenverständnis. Sie lernen, was ihre eigene Profession ausmacht, wo ihre Grenzen liegen und wann andere Berufsgruppen eingebunden werden sollten. Diese Erfahrung ist eine hervorragende Vorbereitung auf den Berufseinstieg und stärkt das Selbstbewusstsein im späteren Arbeitsalltag.
Wie nehmen Patientinnen und Patienten das Konzept wahr?
Die Rückmeldungen sind sehr positiv. Patientinnen und Patienten erleben eine intensive Betreuung mit festen Ansprechpersonen. Dadurch, dass alle Professionen gemeinsam im Gespräch sind, entsteht Transparenz und ein Gefühl von ganzheitlicher Versorgung. Die Lernenden nehmen sich Zeit, erklären Abläufe ausführlich und stehen für Fragen zur Verfügung. Diese Nähe und Kontinuität werden sehr geschätzt.
Gibt es besondere Lernangebote innerhalb des Projekts?
Ja, das Projekt wird durch zusätzliche Lernformate ergänzt. In der Unfallchirurgie führen wir beispielsweise Notfallsimulationen im Skillslab durch. So können herausfordernde Situationen realitätsnah trainiert werden.
Darüber hinaus gibt es Team-Teachings, die sich an den Lernzielen der Auszubildenden und Studierenden orientieren. Diese Einheiten vertiefen fachliche Themen und fördern gleichzeitig das gemeinsame Lernen über Berufsgrenzen hinweg.
Warum ist Interprofessionalität aus Ihrer Sicht so wichtig?
Eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung gelingt nur gemeinsam. Jede Profession bringt eine eigene Expertise mit. Wenn diese Perspektiven zusammengeführt werden, entsteht ein umfassender Blick auf die individuelle Situation eines Menschen.
Interprofessionalität bedeutet für mich, auf Augenhöhe zu kommunizieren, die Kompetenzen der anderen wertzuschätzen und gemeinsam Verantwortung zu tragen. Gerade in einem einem Universitätsklinikum wie unserem mit seiner großen Vielfalt an Berufsgruppen ist das ein entscheidender Erfolgsfaktor.
Wer kann an Be-IPSTA teilnehmen?
Grundsätzlich richtet sich Be-IPSTA an Lernende verschiedener Berufsgruppen, die sich in einem fortgeschrittenen Abschnitt ihrer Ausbildung oder ihres Studiums befinden. In der Pflege bedeutet das beispielsweise, dass mindestens das zweite Ausbildungsjahr erreicht sein sollte, damit eine entsprechende fachliche Grundlage vorhanden ist. Medizinstudierende nehmen im Rahmen ihres Praktischen Jahres teil. Auch Lernende aus Physiotherapie, Ergotherapie, Psychologie und perspektivisch der Sozialen Arbeit sind – je nach Einsatzbereich – eingebunden.
Wichtig ist uns dabei nicht nur der formale Ausbildungsstand, sondern auch die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv auf interprofessionelle Zusammenarbeit einzulassen. Die konkrete Einsatzplanung erfolgt immer in enger Abstimmung zwischen Schule, Hochschule und Praxis, damit sowohl der Wissensstand als auch die Lernziele gut berücksichtigt werden. Unser Wunsch ist es, perspektivisch möglichst vielen Lernenden die Teilnahme zu ermöglichen und Be-IPSTA als festen Bestandteil moderner Ausbildung hier bei uns weiter auszubauen.
Was sagt Be-IPSTA über das EvKB und das Krankenhaus Mara als Arbeitgeber aus?
Für mich zeigt das Projekt, dass in unserem Klinikum die Ausbildung aktiv gestaltet und weitergedacht wird. Wir schaffen Strukturen, in denen Lernen, Verantwortung und Teamarbeit miteinander verbunden werden. Wir trauen unseren Lernenden etwas zu und begleiten sie gleichzeitig eng. Be-IPSTA steht für Innovationsbereitschaft, Wertschätzung und eine klare Ausrichtung auf Qualität. Das prägt nicht nur die Ausbildung, sondern unser Selbstverständnis insgesamt.
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