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Karriere-Blog

„AKUTMEDIZIN UND FORSCHUNG IM MIX“

Dr. med. Jeremy Schmidt

Name:Dr. med. Jeremy Schmidt
 
Das mache ich im EvKB:Assistenzarzt in der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin im Kinderzentrum Bethel und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bielefeld
 
Das habe ich gelernt:Kinder- und Jugendmedizin
 
Das Beste an meinem Job ist:Die Abwechslung zwischen der Akutmedizin und dem langfristigen Mitgestalten von Versorgungskonzepten und Forschungsprojekten
 
Das EvKB als Arbeitgeber ist:Sehr vielfältig und bietet Raum für junges Engagement, insbesondere auch durch die Universitätsklinik und die vielen netten und motivierten Menschen
 
Das möchte ich meinen Kolleginnen und Kollegen gerne sagen:Meinen Kollegen in der Kinderklinik kann ich mitgeben, dass es jeden Tag total viel Spaß macht, mit ihnen zusammen zu arbeiten, in allen Berufsgruppen.
 

Interview

Herr Dr. Schmidt, Sie arbeiten als Assistenzarzt im Kinderzentrum im EvKB und leiten die „Long COVID-Ambulanz“. Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus – was machen Sie genau?

Ich habe eine besondere Stellenaufteilung in zwei Komponenten: Zwei Wochen im Monat bin ich im Stationsdienst in der Kinderklinik tätig – aktuell auf der neonatologischen Intensivstation. Dort mache ich die regulären Dienste und rotiere durch die verschiedenen Stationen der Klinik im Rahmen meiner Facharztweiterbildung. In den anderen zwei Wochen bin ich für Forschung und Versorgung in der sogenannten Long COVID-Ambulanz zuständig – oder, um es korrekt zu sagen: in der Ambulanz für postakute Infektionssyndrome. Dort betreue ich Kinder und Jugendliche, die nach einer Infektion – meist durch Corona, aber auch durch Influenza, Epstein-Barr-Viren oder andere Infekte – langfristig krank bleiben. Ich habe die Ambulanz mit aufgebaut, betreue die Patientinnen und Patienten und begleite Forschungsprojekte, auch in Kooperation mit anderen Standorten bundesweit.
 

Was genau passiert in der Long COVID-Ambulanz – und warum richtet sie sich ausschließlich an Kinder und Jugendliche?

Wir betreuen Kinder und Jugendliche, die nach einer Infektion nicht wieder gesund werden. Das heißt: Obwohl die akute Phase der Infektion vorbei ist, leiden sie weiterhin an Symptomen, die sie im Alltag massiv einschränken. Manche schaffen sie es vor Erschöpfung nur noch schwer zur Schule, einige können das Haus kaum verlassen. Viele leiden an starker Fatigue, also einer massiven Erschöpfung, und einer sogenannten Belastungsintoleranz. Das bedeutet: Geht es ihnen mal besser und sie unternehmen etwas – ihr sportliches Hobby, ein Schultag oder bei schwerer Betroffenen auch leider schon kurze Gespräche – kann das einen regelrechten „Crash“ auslösen, der sie für Tage oder Wochen wieder zurückwirft.
 

Wie lässt sich ein so komplexes Krankheitsbild behandeln – gibt es bereits wirksame Therapien? 

Notwendig ist eine individuell abgestimmte Belastungssteuerung, das sogenannte „Pacing“. Es geht darum, körperliche und kognitive Aktivitäten gleichmäßig zu verteilen, um Überlastungen und Rückschläge zu vermeiden. Das allein kann schon viel helfen. Darüber hinaus behandeln wir symptomatisch bei Schlafstörungen oder Schmerzen, begleiten sozialmedizinisch und bieten begleitende Therapien an – zum Beispiel Atemtherapie oder Psychotherapie.

Wir arbeiten sehr interdisziplinär und sind ständig im Austausch mit Schulen, Familien und Therapeutinnen und Therapeuten. In enger Abwägung haben wir auch die Möglichkeit, medikamentöse Ansätze auf Basis aktueller Forschungserkenntnisse bei schwer Betroffenen frühzeitig einzusetzen.
 

Klingt nach viel Koordination – mit wem arbeiten Sie dabei alles zusammen?

Wir sind Teil des bundesweiten Netzwerks „PEDNET-LC“, das vom Bundesgesundheitsministerium gefördert wird. Es vereint 20 klinische Standorte und verschiedene Forschungsinstitute, die gemeinsam an besseren Versorgungsstrukturen arbeiten. Dank dieser Förderung konnten wir unser Team erweitern – mit weiteren Ärztinnen, Psychologinnen, medizinischen Fachangestellten und unserer Sozialberatung. Und auch innerhalb des EvKB profitieren wir vom fachübergreifenden Ansatz – sei es in der psychotherapeutischen Begleitung, der Sozialmedizin oder dem pflegerischen Bereich. Viele Kolleginnen haben mittlerweile Erfahrung mit diesen komplexen Krankheitsbildern, was eine große Hilfe ist.
 

Sie haben die Nähe zur Uni Bielefeld erwähnt – wie hilft Ihnen das konkret in Ihrer Arbeit?

Wir sind Universitätsklinik und somit Teil der medizinischen Fakultät und des Uniklinikums OWL. Ich bin im Clinician Scientist Programm der Uni Bielefeld und arbeite aktuell an einem Forschungsprojekt zum Telemonitoring. Dabei tragen die Kinder Smartwatches und dokumentieren ihre Symptome über eine App. So können wir sie auch virtuell begleiten – über Chats oder Videosprechstunden. Die Uni ermöglicht uns auch weitere gemeinsame Studien. Ohne diese Verbindung wären viele dieser Projekte gar nicht möglich.
 

Warum haben Sie sich damals für das EvKB entschieden?

Tatsächlich wegen der Möglichkeit auf diese kombinierte Stelle aus klinischer Tätigkeit und Forschung direkt zum Berufseinstieg. Ich hatte schon während des Studiums Freude daran, Dinge mitzugestalten – nicht nur Akutmedizin, sondern auch strukturell in der Versorgung etwas zu bewegen. Das hat mir das Kinderzentrum am EvKB ermöglicht – dafür bin ich sehr dankbar. Von Seiten der Uni und des EvKB besteht viel Motivation, die Zusammenarbeit stetig weiter auszubauen. Es ist wirklich cool, das mitgestalten zu können.
 

Das klingt, als brächten Sie sich auch über die Long COVID-Ambulanz hinaus stark ein.

Ja, ich bin auch einer der Assistentensprecher und versuche gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen Prozesse in der Klinik aktiv zu gestalten. Wenn wir merken, dass bestimmte Strukturen neu gedacht werden müssen, überlegen wir uns Lösungen, sprechen die richtigen Leute an und bieten konkrete Vorschläge. Das stößt hier auf offene Ohren – und das motiviert sehr.
 

Wie würden Sie die Ausbildung im EvKB beschreiben?

Unsere klinische Ausbildung am Kinderzentrum Bethel ist sicherlich sehr bunt und wir rotieren zwischen sehr vielen Fachbereichen relativ zügig hin und her. So haben wir auch ganz viele bunte Krankheitsbilder und dadurch lernt man in kurzer Zeit sehr viel.  Das würde ohne eine gute oberärztliche Betreuung sicherlich nicht so gut funktionieren und die ist bei uns auf jeden Fall gegeben. Wir haben sehr, sehr nette und herzliche Kolleginnen und Kollegen, die auf Augenhöhe kommunizieren.
 

Was sind Ihre nächsten beruflichen Pläne?

Im kommenden Jahr werde ich voraussichtlich meine Facharztprüfung ablegen. Danach plane ich eine Schwerpunktweiterbildung in der Kinder- und Jugendmedizin. Die Arbeit in der Long COVID-Ambulanz soll auf jeden Fall weitergehen – viele Projekte stehen noch ganz am Anfang.
 

Wie haben Sie persönlich die Corona-Pandemie erlebt?

Ich war 2020 im Praktischen Jahr und hatte das Glück, weiterhin in der Klinik arbeiten zu können – das hat mir sehr geholfen. Ich habe später auch bei Impfaktionen mitgearbeitet. Für viele Studierende war das eine sehr schwierige Zeit – aber die größten Belastungen hatten definitiv die Betroffenen selbst: die Schwererkrankten, die Verstorbenen, die Angehörigen und die, die jetzt mit Langzeitfolgen kämpfen. Die dürfen wir nicht vergessen.
 

Und wenn Sie die Klinik verlassen – wie schalten Sie ab?

Ich verbringe viel Zeit mit Freunden, gehe gerne in die Stadt, höre viel Musik und bin regelmäßig bei Rock am Ring. Fußball ist meine große Leidenschaft – ich war lange aktiv, verfolge es heute vor allem als Fan, besonders den HSV und Arminia Bielefeld. Und zu Hause finde ich mit meiner Freundin die nötige Ruhe und Ausgeglichenheit.

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